Der Leipziger Appell kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn so gefährdet wie heute war die öffentliche Debatte lange nicht. Er bestätigt die Kritik, die Freie Radios vor teils 30-40 Jahren zu ihrer Gründung veranlasste und die Richtigkeit, der in unseren Strukturen abgebildeten Konsequenzen.
Die Algorithmen der kommerziellen Social Media Plattformen stärken eine inhaltliche Polarisierung und verstärken ideologische Gruppenbildungen. Heute gibt es unzählige Ein-Mann (sic!) Propagandakanäle, die die Erregungsproduktion zu ihrem Geschäftsmodell machen und schon von Zensur sprechen, wenn ihre reichweitenstarken Diffamierungen angegriffen werden.
Freie Radios haben grundsätzlich kein Geschäftsmodell. Es gehört zu unserer Charta, dass die eigentliche journalistische Arbeit ehrenamtlich geleistet wird. Warum?
Zum einen, um zu verhindern, dass eine bestimmte Position von oben vorgegeben wird, wie es die "Lügenpresse"-Rufer:innen dem ÖRR unterstellen und es bei ihren Lieblingskanälen zur angeblichen Authentizität und Stärke verklären.
Zum Anderen ist die Frage, wer denn dieser Demos ist, um den es bei der Demokratie geht. Viele führen das Wort im Mund, um Ausschlüsse von Minderheiten im Namen einer vorgestellten Mehrheit zu legitimieren. Die Gesellschaft ist divers und divergierend. Freie Radios haben Räume entfaltet in denen Menschen und Gruppen in eigener Sache sprechen und Auseinandersetzungen führen können. Wir schaffen Räume, in denen die echte Vielfalt zum Ausdruck kommt - und gleichzeitig aber in einer gemeinsamen Öffentlichkeit aufeinander trifft.
Selbstverständlich sind wir dem Leipziger Appell beigetreten, so wie wir selbstverständlich Teil des Forums Gemeinnütziger Journalismus sind. Die aktuellen gesellschaftlichen Umwälzungen fordern Debatten, welche die gesamte Gesellschaft betreffen und nicht nur die Mehrheit. Weder der Verweis auf Wahlen, noch die Versuche der Homogenisierung der Bevölkerung werden diese Debatten stillstellen können.
Wir setzen engagierten Journalismus gegen Propaganda. Anstelle einer falschen Neutralität setzen wir darauf, den Zugang zu Medien demokratisch zu gestalten - und werden dabei weiterhin auch aktiv sein für die Meinungsfreiheit. Genau dafür gibt es in Freien Radios Redaktionsstrukturen unter Gleichen.

