Radio Agora vor möglichem Aus?

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Hallo,

in Kärtnen fürchtet das mehrsprachige, freie Radio Agora um seine Lizenz.

Unten ein paar Infos dazu und hier aus dem agora-Forum:

"Protestaktion gibt es derzeit keine. Es besteht ja die Möglichkeit, dass die Medienbehörde der Empfehlung des Landes nicht folgt, dann wäre eine Fortsetzung des Sendebetriebes möglich. Wir wollen also nichts vorwegnehmen, obwohl uns eine positive Empfehlung des Landes lieber gewesen wäre. LG Angelika"

Gruß Stefan

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Video:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/video/multimedia.do?action=showEntry_VideoDetail&project=462&id=128780

Radio Agora steht vor möglichem Aus 20.10.2010|02:30 min

Das mehrsprachige, freie Radio Agora, das seit 1998 in Kooperation mit dem slowenischsprachigen Radio Dva auf der Frequenz 105,5 sein Programm ausstrahlt, bangt um seine Zukunft. Ende August hätte die gemeinsame Sendelizenz für weitere 10 Jahre beantragt werden sollen. Doch nun hat Radio Dva die alleinige Lizenz beantragt und bekommt Rückenwind von der Kärntner Landesregierung und dem Rat der Kärntner Slowenen.

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Offener Brief:

http://agora.at/newsdetail.php?id=29

Offener Brief an Landeshauptmann Gerhard Dörfler und an Dr. Valentin Inzko, Obmann des NSKS, betreff Hörfunkzulassung 13.10.2010

Hintergrund: Im Jahr 2011 endet die Lizenzperiode von radio AGORA 105,5 und Radio dva. Um die Frequenzen für weitere zehn Jahre bespielen zu können, musste bis Ende August 2010 ein neuerlicher Antrag eingereicht werden. Über die Vergabe der Lizenz entscheidet die bundesweit zuständige Medienbehörde, von den jeweiligen Landesregierungen wird eine Empfehlung eingeholt. Die beiden Radios bilden als Hörfunkveranstalter seit zwölf Jahren eine Betreibergemeinschaft. Radio AGORA beabsichtigte, diese Kooperation auch künftig beizubehalten und besprach sich diesbezüglich mit dem Geschäftsführer von Radio dva, der eine gemeinsame Antragstellung ebenfalls befürwortete. Völlig unerwartet und nicht nachvollziehbar - da am gemeinsamen Antrag bereits gut drei Wochen gearbeitet wurde - teilte Radio dva kurz vor dem Abgabetermin mit, dass sie eine gemeinsame Einreichung ablehnen und einen eigenständigen Antrag auf eine Volllizenz einbringen werden. Um die Chance, als nichtkommerzielles Freies Radio weiter senden zu können, zu wahren, war radio AGORA 105,5 gezwungen, innerhalb weniger Tage ebenfalls einen eigenen Antrag einzubringen.

Klagenfurt/Celovec, 10-10-05

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dörfler! Sehr geehrter Herr Obmann Dr. Inzko!

Der Presseaussendung zum Ergebnis der Regierungssitzung vom 28.09.2010 entnehmen wir, dass Sie sich dahingehend abgesprochen haben, dass die Landesregierung bezüglich der Vergabe der Sendelizenz für das zweisprachige Gebiet auf weitere zehn Jahre eine Empfehlung zugunsten von Radio dva als alleinigem Betreiber abgeben soll, was schlussendlich (durch fünf Pro-Stimmen von FPK und ÖVP, bei zwei Gegenstimmen der SPÖ) auch eingetroffen ist. Sie haben sich damit gegen den Fortbestand von Radio AGORA, dem einzigen nichtkommerziellen und zweisprachigen Freien Radio im Bundesland, ausgesprochen.

Obwohl über die Vergabe einer Hörfunklizenz nicht die jeweilige Landesregierung entscheidet (von dieser ist - gesetzlich vorgesehen – eine Empfehlung einzuholen), sondern die bundesweit zuständige KommAustria, wollen wir den Inhalt und das Zustandekommen der Empfehlung nicht unkommentiert zur Kenntnis nehmen.

Wir zitieren aus der Presseaussendung "Nach Rücksprache mit Valentin Inzko habe man sich für Radio DVA ausgesprochen, dabei soll das bisherige Sendeschema aber beibehalten werden."

Dazu stellen wir notwendigerweise richtig, dass eine Beibehaltung des bisherigen Sendeschemas unmöglich wäre, wenn Radio dva - gemäß Ihrer Empfehlung - den Zuschlag bekommen sollte, da Radio AGORA in diesem Fall die rechtlichen Grundlagen, um (wie derzeit) täglich 14 Stunden Programm zu produzieren, verlieren würde. Um ein seriös gemeintes Interesse an der Beibehaltung des bisherigen Sendeschemas zum Ausdruck zu bringen, hätte es zumindest einer Stellungnahme bedurft, die nicht nur die alleinigen Interessen von Radio dva vertritt, sondern eine gemeinsame Antragstellung von Radio dva und Radio AGORA empfiehlt.

Radio dva hat - nachdem Anfang Juli d. J. eine gemeinsame Einreichung vereinbart war - wenige Tage vor dem Abgabetermin ohne Angaben von Gründen die Tür zugeschlagen und sich für einen alleinigen Antrag ohne Radio AGORA entschieden.

Selbstverständlich begrüßen wir es, wenn zwischen Ihnen (lt. Presseaussendung) ein gutes "völlig unaufgeregtes und unbelastetes Klima, wozu auch Valentin Inzko einen bedeutenden Beitrag leistet" besteht, zählt doch die Förderung der Verständigung zwischen den beiden Volksgruppen zu den Kernzielen von AGORA. Wenig erfreulich dabei ist, dass Sie für ein "unbelastetes Klima" zwischen Ihnen beiden das freie Radio AGORA opfern, und damit selbstredend zum Ausdruck bringen, worauf Ihre Gesprächsebene gründet.

Würden fachliche Kriterien oder im konkreten Fall medienpolitischer Weitblick die Entscheidungsgrundlage bilden, wäre zumindest die Meinung der beiden anderen Volksgruppenorganisationen ZSO und SKS - auf deren Einholung verzichtet wurde - ebenso zu berücksichtigen gewesen, wie die Tatsache, dass maßgebliche Gesellschafter von Radio dva, w.z.B. Krščanska kulturna zveza/Christlicher Kulturverband oder Slovenska gospodarska zveza/ Slowenischer Wirtschaftsverband das alleinige Auftreten von Radio dva nicht befürworten.

Die einseitige Entscheidungsfindung erhält eine zusätzliche Note dadurch, als Sie sich, sehr geehrter Herr Landeshauptmann, zwar mit Herrn Dr. Inzko besprochen haben, der als Obmann des Narodni svet koroških Slovencev/Rat der Kärntner Slowenen auch einer der Gesellschafter von Radio dva ist, ein Gespräch mit Radio AGORA jedoch für nicht notwendig erachteten.

Und wir sind, sehr geehrter Herr Dr. Inzko, auch von Ihrem Meinungsumschwung betroffen, zumal Sie im persönlichen Gespräch mit dem Obmann und der Geschäftsführerin von Radio AGORA am 11. August Ihr Bedauern über den Alleingang von Radio dva - von dem Sie zu diesem Zeitpunkt erstmals erfuhren - zum Ausdruck brachten und Radio AGORA davon ausgehen durfte, dass Sie sich für eine gemeinsame Antragstellung einsetzen werden.

Weiters ist festzuhalten: Radio AGORA produziert und sendet seit Jahren wesentlich mehr slowenischsprachiges wie auch zusätzlich ein zwei- und mehrsprachiges Programm und weist damit insgesamt ein größeres und vielfältigeres Spektrum an Aktivitäten auf als Radio dva. Den täglich 14 Stunden Sendezeit von Radio AGORA stehen zwei Stunden von Radio dva gegenüber, mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen aus beiden Volksgruppen sammelten bisher in den angebotenen Radioworkshops von AGORA erste journalistische Erfahrungen, erwarben sich Grundkenntnisse des Radiomachens und erhielten dafür so manche Auszeichnung. Mehr als 100 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit dem Sendestart an der Programmgestaltung beteiligt und 15 EU Projekte wurden durchgeführt. Darüber hinaus zählen Liveübertragungen und Off air -Aktivitäten wie Konzerte, Diskussionsreihen und zweisprachige Programmfolder zur Bewerbung der Frequenzen zu den Alleinstellungsmerkmalen, die AGORA für sich verbuchen kann.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dörfler, sehr geehrter Herr Obmann Dr. Inzko! Faktum ist, dass Sie überein gekommen sind, das mehr als fragwürdige Vorgehen von Radio dva gut zu heißen, und damit für das Bundesland Kärnten und im Speziellen für die slowenische Volksgruppe einen medienpolitischen Rückschritt in das 20. Jahrhundert in Kauf zu nehmen. Während in anderen Bundesländern die Anzahl von Freien Radios zunimmt und dem Public Value nichtkommerzieller Freier Radios immer mehr Stellenwert eingeräumt wird, würde - folgt man Ihren Überlegungen - Kärnten als einziges Bundesland ohne Freies Radio dastehen und die mediale Versorgung der slowenischen Volksgruppe einen Rückfall in einseitige und monopolistische Zeiten erleben.

Hochachtungsvoll

der Vorstand von AGORA

Rückfragen: Angelika Hödl (GF), mobil +43 (0)664 34 68 760



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