[ bfr-rundbrief ] Zeitschrift des Bundesverbandes Freier Radios 4. Quartal 2007 Themen: - BFR-Kongress 2007 in Chemnitz - Interkulturelles Radio in der Schweiz - Freie Radios in Baden-Württemberg unter Druck - Neuer Bundesverband Bürger- und Ausbildungsmedien Seite 2 Inhalt: BFR-Kongress 2007 in Chemnitz Seite 3 Bundesverband Bürger- und Ausbildungsmedien Seite 6 Situation in Baden-Württemberg Seite 7 coloradio droht Verlust von Sendezeit Seite 10 Erfahrungen und Kritik am Radioschein Seite 11 Interkulturelles Radio in der Schweiz Seite 13 25 Jahre Radio LoRa in Zürich Seite 15 Aktuelle Meldungen Seite 16 Adressen Seite 18 Termine Rückseite Editorial Liebe LeserInnen! Mit viel Glück hat der BFR es in letzter Minute doch noch geschafft, den Kongress Freier Radios vorzubereiten. Am 1. Adventswochenende ist es wieder soweit. Das alljährliche Treffen Freier Radios sollte eigentlich bei Radio Dreyeckland stattfinden. Doch der eisige Wind der den Freien Radios gerade in Baden-Württemberg entgegen weht, hat beim ältesten Freien Radio zu einer tiefen Finanzkrise geführt. Zu den Hintergründen mehr ab Seite 7. Radio T ist dann erfreulicherweise eingesprungen und so sind alle RadiomacherInnen herzlich eingeladen am 30. November nach Chemnitz zu kommen. Mehr zum Programm findet ihr auf den nächsten Seiten. Medienpolitische Diskussionen gab es in den letzten Wochen innerhalb des BFR vor allem wegen der Gründung eines neuen Verbandes für sog. Bürger- und Ausbildungsmedien. Mehr dazu auf Seite 6. Zum Thema Ausbildung in Freien Radios finden sich zwei Konzepte in dieser Ausgabe die genauer vorgestellt werden. Damit auch ein Blick in die Schweiz und ins nächste Jahr. Radio LoRa in Zürich wird 25 Jahre alt und macht sich heute schon Gedanken wie man das entsprechend feiern könnte. Die nächste Ausgabe des BFR-Rundbrief erscheint im Februar 2008. Guten Rutsch wünscht jetzt schon mal Die Rundbrief-Redaktion Seite 3 BFR-Kongress / Einladung Liebe Radiomachende und Freunde der Freien Radios, seid herzlich eingeladen zur Teilnahme am diesjährigen BFR-Kongress vom 30.11. bis 02.12.2007 in Chemnitz. Entgegen üblicher Verhaltensweisen diskutieren wir diesmal ein Thema, das alle im Mund führen. Web 2.0 (und Freie Radios). Die Palette wird von der bevorstehenden UKW-Abschaltung/Digitalisierung (Sachsen-Anhalt und Sachsen halten immer noch am Termin 2010 fest) über den offensiveren Umgang mit den neuen Möglichkeiten (Sind wir zu UKW-fixiert? Verpennen wir etwas? Was passt zu den Ansprüchen der Freien Radios?), bis hin zu eventuellen Alternativen (z.B. Micro FM = Peer to Peer UKW?). Ergänzungen/Erweiterungen sind uns willkommen. Zur Vorbereitung wird ein Wiki auf unserer Webseite www.radiot.de eingerichtet. Wir sind knapp in der Zeit, da wir kurzfristig als Ersatz-Veranstalter eingesprungen sind. Ungeachtet dessen hoffen wir auf einen würdigen und befruchtenden BFR-Kongress und freuen uns darauf Radio T und Chemnitz im direkten Kontakt vorzustellen. Neben den Diskussionen und der BFR-Mitgliedsversammlung wird es auch Workshops und Arbeitsgruppentreffen geben. Zur großen Diskussionsveranstaltung am Sonnabend rechnen wir mit etlichen Interessenten aus Chemnitz selbst. Ganz besonders hoffen wir aber auf Euer zahlreiches Erscheinen am ersten Adventswochenende. Die RadioTen Veranstaltungsorte: Orgabüro und Tagungsort des Kongresses ist (außer am Sonnabend zur Podiumsdiskussion) das "Haus der Verbände" in der Karl-Liebknecht-Str. 19. Hier ist auch Radio T zu Hause. Die Anreise per Auto und Bahn ist in allen Zoomgrößen auf www.radiot.de unter dem Button -> Anfahrt zu finden. Radio T ist 500 Meter vom Chemnitzer Hauptbahnhof entfernt. Essen gibt es entweder im Radio oder bei fußnahen befreundeten Einrichtungen. Das Weltecho und zahlreiche andere interessante Veranstaltungsorte sind in weniger als 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Anmeldung: Bitte bis Ende November unter der Adresse: buero[at]radiot.de, formlos mit Name, Radio/ Radioinitiative, Fleischesser/Vegetarier/Veganer, Teilnahme am Bastelworkshop, Ankunftszeit/-tag Alle Infos auch auf www.radiot.de Unterbringung: Schlafen werdet ihr privat in verschiedenen WGs, solange der Platz reicht. Dazu gibt es ein bis zwei "Massenquartiere". Von daher bitte für alle Fälle Schlafsack und Isomatte mitbringen! Wir haben nur eine blasse Ahnung wie viele Leute nach Chemnitz kommen. Bitte gebt rechtzeitig an, wie viele Schlafplätze ihr braucht. Kosten: Für ausreichend leckeres Essen werden wir sorgen; der Teilnahmebeitrag wird 20 Euro nicht überschreiten. Der BFR hat unter Umständen die Möglichkeit, Zuschüsse zu den Fahrtkosten zu geben. Bitte informiert Euch! Aktualisierungen/Vorbereitung: Insbesondere für die inhaltliche Vorbereitung wird ein Wiki eingerichtet, den ihr unter www.radiot.de findet und den ihr mit Euren Vorschlägen ergänzen könnt. Seite 4 Bisherige Themenvorschläge für Diskussionen/ Workshops/Arbeitsgruppen am Sonnabend: ? Freies Radio - Perspektiven im Zeitalter d i g i t a l e r Verbreitungswege (Möglichkeiten FRN, Podcast ?) ? "Bastelworkshop" UKW-Mikrosender (UNBEDINGT ANMELDEN!) ? Verhältnis von lokalen / regionalen /globalen Themen in Freien Radios ? Bildungs- & Wissenschaftssendungen im Freien Radio (Vorstellung & Diskussion LETS-Projekt des BFR) Die Diskussion "UKW adè - Wie das Radio von morgen sein wird" am Sonnabend im Weltecho wird eine Kombination aus Podiumsgespräch und Publikumsfragen/-diskussion. Für das Podium haben wir bereits eine echte Zusage von der Sächsischen Landesmedienanstalt und eine vage von der TU Chemnitz (Medienkommunikation). Ein/e Vertreter/in der Freien Radios sowie jemand von Indymedia/Chaos Computer Club o.ä. werden die Runde ergänzen. Ablauf in Kürze Freitag, 30.11.2007 16:00 Uhr Orga-Team betreut die Anreisenden (Imbiss, Schlafplatzverteilung) 19:00 Uhr Diskussionsrunde zum Thema: BVBAM - in Gründung "Bürger- und Ausbildungsmedien" als Dachverband für alle + Selbstverständnis BFR 22:00 Uhr Ende und Ausgehe (entweder in die Clubs oder zum Schlafplatz) Samstag, 01.12.2007 9:00 Frühstück 10:00 Start der Workshops/Arbeitsgruppen 13:30 Mittagspause 14:15 Workshops/Arbeitsgruppen/Debatten 18:00 Abendbrot 19:00 öffentliche Diskussion "UKW adè - Wie das Radio von morgen sein wird" Weltecho-Cafe, im Haus "Kammer der Technik", Annaberger Straße 24 mit UKW-Liveübertragung auf Radio T 22:00 Konzert im Weltecho oder Umzug in alternative Projekte (z.B. Reba 84) Sonntag, 02.12.2007 10:00 Frühstück 11:00 BFR-Mitgliederversammlung 16:00 Abreise (Stand: Ende Oktober) Seite 5 Radio T in Kürze gegründet: Januar 1991 Mitglieder: 60 + zahlreiche Nutzer/Beteiligte OnAir (4 Stunden wöchentlich): seit 2. April 1995 OnAir (täglich): seit 1. Oktober 2004 OnAir (derzeit): Mo-Fr: 18:00 bis 23:00 Uhr, Sa+So 12:00 bis 24:00 Uhr (inkl. 1 Stunde täglich Zulieferung durch das Studentenradio UNiCC) BFR-Mitglied: (mindestens) seit Mitte der 90er modern erreichbar: www.radiot.de, info@radiot.de altertümlich erreichbar: Karl-Liebknecht-Str. 19, 09111 Chemnitz, Tel: 0371-350235 Warum "T"?: Fragt uns in Chemnitz! Platzhalter: Stadtplan Seite 6 Neuer Bundesverband BVBAM Neuer Schlauch für alte Weine? Der neue Bundesverband Bürger- und Ausbildungsmedien "Es fehlt den Bürger- und Ausbildungsmedien an einer gemeinsamen Stimme, die ihnen politisches Gewicht auf Bundes- und Europaebene gibt. Es fehlt ein gemeinsamer Dachverband, der Offene Kanäle, nichtkommerzielle Lokalradios, Freie Radios, den Campusfunk, Lern- und Studentenradios, Ausbildungs-, Fortbildungs-, Erprobungskanälen, Bürgerrundfunk - kurz alle Bürger- und Ausbildungsmedien - vereint und ihnen so politisches Gewicht verleiht, um die Bürgermedien zukunftssicher verankern und weiterentwickeln zu können." Erster Akt: Mit diesem Statement trat im Frühjahr 2007 ein Initiativkreis für einen Bundesverband Bürger- und Ausbildungsmedien (BVBAM) an die Öffentlichkeit. Verbunden mit der Einladung, sich im November an der Verbandsgründung in Bremen zu beteiligen, erhielten NKLs in Hessen entsprechende Infos per e-mail. Freie Radios in Baden-Württemberg wurden freundlicherweise von ihrer Landesmedienanstalt über die Initiative informiert - bereits bestehende Verbände wie der BFR wurden zunächst gar nicht angesprochen. Mag das bei einem großen Teil des Initiativkreises daran liegen, dass der BFR schlicht nicht bekannt ist (etwa bei Offenen Kanälen in Rheinland-Pfalz oder bei Bürger-TV in Niedersachsen), darf anderen Unterzeichnern des Erstaufrufes keine Unkenntnis dieser Tatsache unterstellt werden, zumal, wenn sie in der Niedersächsischen Landesmedienanstalt arbeiten. Teil der Information waren bereits recht detailliert usgearbeitete Vorstellungen - von einem Eckpunkte-Papier bis zum Satzungsentwurf und der Einladung zum Gründungstermin am 2. November. Zweiter Akt: Auch wenn der BFR (zunächst) keine direkte Information bekam, wurde doch in der Freien Radioszene sofort begonnen darüber zu diskutieren, wie diese Initiative zu werten und sich dazu zu verhalten sei. Allmählich kristallisierte sich dann eine Tendenz heraus, die bisher aber noch keine verbindliche Positionierung des Verbandes darstellt. Diese Tendenz umfasst grundsätzliches Interesse an einer punktuellen Zusammenarbeit mit anderen nichtkommerziellen Medienveranstaltern bei unterschiedlich ausgeprägter Skepsis gegenüber den ausgearbeiteten Vorstellungen der BVBAM-Initiative. Die teils recht massive Kritik der BFR-Mitglieder entfaltete sich vor allem an der mangelhaften bzw. fragwürdigen inhaltlichen Definition der Grundlage des geplanten Verbandes. Hinzu kam der abzusehende erhebliche Einfluss von Landesmedienanstalten und staatsnahen Rundfunkveranstaltern und ein mangelhafter Bezug auf den internationalen Kontext sowie der Frage, warum nicht schon in einem früheren Stadium der Kontakt zum BFR gesucht wurde. Der schärfste Widerspruch wurde aus Baden-Württemberg formuliert. Der Landesverband der Freien Radios AFF lehnt die Gründung eines entsprechenden Verbandes ab und plädiert stattdessen für die Schaffung eines losen assoziierten Arbeitsgremiums zwischen den bereits bestehenden Verbänden. Die InitiatorInnen des BVBAM haben sich mit ihrer Vorarbeit aber mittlerweile schon auf eine Vereinsgründung festgelegt. Nochmal einen Schritt zurückzugehen, scheint für sie unvorstellbar zu sein. Dritter Akt: Mittlerweile hat die BVBAM-Initiativgruppe versucht, den BFR und auch andere Verbände in den Gründungsprozess einzubinden. Ende August fand dazu ein erstes Gespräch in Halle statt. Ein Teil der dort von uns formulierten Kritikpunkte wurde dann auch in den Satzungsentwurf eingearbeitet. Dennoch: als Ende September in Hannover die Gründung des Verbandes vorbereitet werden sollte und dazu neben Leuten des Initiativkreises auch BFR und AFF sowie Offene Kanäle und SAEK aus Sachsen anwesend waren, wurde deutlich, dass die Verbandsgründung auf recht zurückhaltendes Interesse stößt, die InitiatorInnen aber daran festhalten wollen (oder müssen?). Bei Redaktionsschluss dieses Rundbriefes stand noch nicht fest, wie die Gründungsversammlung in Bremen Seite 7 verlaufen wird. Bemerkenswert ist jedenfalls die massive Mobilisierung zu diesem Event. Nicht nur, dass (zumindest in Hessen) die NKLs mehrfach Einladungen mit unterschiedlichen Absendern erreichten. Auch der BFR wurde gleich auf verschiedenen Wegen darüber informiert. Das 'Bildungszentrum Bürgermedien' bot gar an, den hessischen NKL's fünf Übernachtungsplätze in Bremen zu bezahlen. Eine Prognose scheint mir jedenfalls nicht sehr gewagt zu sein: Von dem Anspruch, "alle Bürger- und Ausbildungsmedien - (zu) verein(en) und ihnen so politisches Gewicht (zu) verleih(en)", wird der BVBAM zumindest vorerst weit entfernt bleiben. Mehr Informationen zum BVBAM auf: www.bvbam.de (Steffen Käthner, Radio Unerhört) Update: 25 Gründungsmitglieder, darunter OK´s, Ausbildungsmedien und NKL´s haben am 4. November den BVBAM gegründet. Kritik gab es während der Veranstaltung dabei von Vetretern der AFF, die ihre oben genannten Kritikpunkte zum Ausdruck brachten. Anschließende Diskussionen dazu blieben jedoch aus. Lfk setzt Freie Radios weiter unter Druck Siuation in Baden Württemberg Das letzte Mal haben wir uns im BFR-Rundbrief im 2. Quartal 2006 zu Wort gemeldet: Anlässlich des ersten Jahrestages der Regentschaft des neuen Präsidenten unserer Landesmedienanstalt (LfK): Herrn Langheinrich. Damals hatten wir darüber berichtet, dass sich die Situation für die Freien Radios in Ba-Wü verschlechtert hat. Eineinhalb Jahre später ist die Situation noch weitaus schlechter. Deshalb ..... 1. Das liebe Geld Die Mitte 2006 angekündigte Änderung der Förderrichtlinien wird nun 2008 umgesetzt. Die bisherige "Institutionelle Förderung" wird in eine so genannte "Sockelförderung" umgewandelt und an den Erstausstrahlungs-Anteil des Programms gekoppelt. Zudem wird ein gewisser Prozentsatz an Eigenanteil verlangt. Im Jahr 2008 werden es noch 70 % der Fördersumme sein, die für die Sockelförderung veranschlagt sind, während 30 % der Förderung als "Projektförderung" und "Mittel zur Aus- und Fortbildung" veranschlagt sind. Für das Jahr 2009 soll das Verhältnis nach bisheriger Planung der LfK auf 50/50 verändert werden. Und das alles hat schwerwiegende Konsequenzen: a) Die Koppelung der Sockelförderung an den Erstausstrahlungs-Anteil greift in die redaktionellen Entscheidungen der Sender ein, weil nicht mehr frei entschieden werden kann, wann und wie oft die zumeist aufwändig gestalteten Sendungen wiederholt werden können. b) Um die vollständige Sockelförderung zu bekommen könnte es zudem erforderlich werden, dass schnell produzierte Live-Sendungen (z.B. mp3-Schleifen mit mehr oder weniger liebloser Zwischenmoderation) ins Programm genommen werden müssen. c) Bei der Projektförderung werden die Projektthemen, von denen ab 2009 50% der Haushalte abhängen sollen, von der LfK vorgegeben. Die LfK genehmigt sich dadurch weitreichende inhaltliche Eingriffsmöglichkeiten auf unser Programm und unsere Struktur. d) Die Erbringung eines Eigenanteils ist vor allem für die Sender mit kleinem Sendegebiet (und entsprechend weniger Mitgliedern) schwer, weil hier die Mitgliedsbeiträge nicht zur Deckung reichen könnten und es analog dazu schwerer ist, Förderung von dritten einzuwerben. e) Durch die Änderungen der Förderung ab 2008 wird sich der Verwaltungsaufwand erhöhen, wodurch die knapperen Mittel in höherem Maße für unnötige Bürokratie aufgewandt werden müssen. f) Setzt die LfK ihre Planungen um, wird die Sockelförderung ab 2009 so gering sein, dass es ist, ob der Offene Zugang dann noch in ausreichendem Maße aufrecht erhalten werden kann oder überhaupt noch die Infrastruktur zu Verfügung gestellt werden kann, damit Projekte überhaupt beantragt werden können. g) In der Förderrichtlinie stand zunächst, dass Freie Radios allen interessierten Bürgern Zugang gewähren müssten, die Interesse hätten - dass wir also zu Offenen Kanälen mutieren müssten. Dies soll nun aber durch eine Ausführungs-bestimmung geändert werden, so Seite 8 dass wir (wie bisher) "unterschiedlichen gesellschaftlichen Kräften" Sendezeit einräumen "können". h) Insgesamt: Die bisher schon viel zu geringe Förderung soll noch landesweit weiter verringert. Unsere Bedenken gegen die neue Förderrichtlinie haben wir der LfK ab Mitte 2006 wiederholt mitgeteilt. Allerdings haben wir kein Gehör gefunden, das Kooperationsprinzip ist von Seiten der LfK aufgehoben worden: nicht einmal eine formale Anhörung erfolgte. 2. Uni-Radio und Spartenkanäle Die AFF ist zusammen mit dem Freien Radio für Stuttgart, RDL Freiburg und dem Querfunk aus Karlsruhe über eine Normenkontrolle gegen die Ausschreibungen von Frequenzen für so genanntes Lernradio sowie gegen die Bevorzugung von Spartenkanälen vorgegangen. Damit sind wir vor dem Verwaltungsgerichtshof Ba-Wü gescheitert. Radio Dreyeckland ist danach bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen - und dort wider Erwarten gescheitert. Denn das Bundesverfassungsgericht hatte seine bisherige Rechtsprechung geändert: Durften bisher Anstalten öffentlichen Rechts mit Ausnahme von Religionsgemeinschaften nicht Lizenznehmerinnen sein, so dürfen Universitäten dies nun sein. Bisher galt, dass unmittelbare und mittelbare Einflussnahme des Staates auf Veranstalter ausgeschlossen sein müsse. Universitäten werden aber über den Etat des Wissenschaftsministeriums finanziert und damit ist eine mittelbare Einflussmöglichkeit über Gelder gegeben. Bisher hatte das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber verordnet, die wesentlichen Züge der Rundfunkordnung festzulegen. Der Gesetzgeber in Baden-Württemberg (Landtag) hat bezüglich Hörfunk im Landesmediengesetz keine Spartenkanäle direkt vorgesehen. Die LfK hat über einen Paragrafen, der das Verhältnis von privaten zu öffentlich-rechtlichen Programmen regeln soll, Spartenkanäle zu Lasten der nichtkommerziellen Veranstalter lizenziert. Diese Praxis, ohne direkte gesetzliche Ermächtigung Spartenkanäle einführen zu dürfen, hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil sozusagen in Nebensätzen für legitim erklärt. Und diese neue und vor allem unverständlich Rechtsprechung wird auch Auswirkungen auf andere Bundesländer haben. (Florian Pfirrmann, AFF) 3. Unterdrucksetzung des Querfunk in Karlsruhe durch die LfK Bereits vor eineinhalb Jahren setzte die LfK den Querfunk unter Druck. Sie erachtete haltlose und unbelegte Vorwürfe, dass die Zugangsoffenheit des Senders nicht gewährleistet sei, für Fakten und eröffnete ein Verfahren. In diesem Zusammenhang wurden die Fördergelder vorenthalten und eine Finanzkontrolle vorgenommen, die bis heute andauert. Das Verfahren gegen Querfunk gipfelte im Januar 2007 in einem Bescheid, dass Zweifel an der Einhaltung der erforderlichen Zugangsoffenheit bestehen würden. Querfunk hat sofort Widerspruch eingelegt, der abgelehnt worden ist. Nun läuft leider eine weitere Klage. Hintergrund ist, dass Querfunk im Jahr 2003 eine Sendung vom Programmplan genommen hat, die mehrmals sexistische Inhalte gesendet und eine homophobe Musiksendung verteidigt hatte. In dem Verfahren stellte die LfK dann fest, dass die ausgeschlossene Sendung allgemein "ein negatives Bild eines dem Mann von Natur aus nicht gleichberechtigten weiblichen Geschlechts" gezeichnet habe, was aber sei keinesfalls "sexistisch" zu bewerten sei, sondern "negativ". Einzelne MitarbeiterInnen der LfK vertreten offenbar eine vormoderne Definition von Sexismus. Allerdings ist ihre Behörde seit der Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie zum Gender-Mainstreaming verpflichtet und darf nicht widersprechen, wenn bei Querfunk eine Sendung ausgeschlossen wird, die Berufsfelder wie "Hochseefischerei, Fernverkehr oder Großviehhaltung" in biologistischer Argumentation vehement als für Frauen ungeeignet erachtet - und "den Mann" als "den (uns alle vor "dem" Feminismus rettenden) Kulturbewahrer" einfordert. Im Laufe des Jahres 2006 wurden die Fördergelder dann sukzessive und immer nur dann ausgezahlt, wenn Querfunk kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stand. Erst seit einer gerichtlichen Auseinandersetzung erfolgen die Zahlungen wieder regulär. Allerdings wurde die Finanzkontrolle von der "Verwendung der Fördermittel durch die GmbH" auf die Kontrolle der Bücher der Gesellschafter(-Vereine) der GmbH ausgedehnt. In dieser Streitigkeit geht es nun im Kern Seite 9 darum, wie weit die LfK auch Bücher von Dritten kontrollieren darf. Nach 1,5 Jahren des Streitens hat die LfK nun versucht diese Kontrolle durch die Androhung eines Zwangsgelds zu ermöglichen: Die Angelegenheit befindet sich gerade im Widerspruch, durch die bislang entstanden Anwalts- und Gerichtskosten ist Querfunk allerdings finanziell allgemein in einer angespannten Lage. Sendetechnisch ist Querfunk auch weiterhin mit Lernradio gesplittet, da das Lernradio der Musikhochschule Karlsruhe zu den Nachmittagsstunden sendet. Auf die Morgenstunden, die das vor zwei Jahren insolvent gegangene Lernradio "Radio aus Bruchsal" freigemacht hatte, haben wir und die Musikhochschule Karlsruhe sich nun beworben. Mal gucken wie es ausgeht. Den allgemeinen Teil der Querfunk-Bewerbung findet ihr unter: http://querfunk.de/Querfunkzuweisungsantrag07.pdf 2007 Unterdrucksetzen von Radio Dreyeckland durch die LfK Nach Querfunk ist auch Radio Dreyeckland (RDL) in Freiburg von Seiten der LfK unter Druck gesetzt worden. Zunächst wurde im Januar 2007 die Förderung für beide RDL-Standorte Freiburg und Landkreis Lörrach (Hohe Möhr) ausgezahlt. Im Februar wurde dann angedroht diese komplett zu verweigern. Mit der Begründung, dass bei beiden Standorten Defizitförderung fehl gehen würde, weil in den Haushalten ein zu hohes Defizit ausgewiesen sei. Und am Standort Hohe Möhr würde angeblich kein Programm mit Bezug zum Sendegebiet Hohe Möhr produziert. RDL verringerte sein Defizit, indem aus dem Haushalt 2007 nötige Investitionen gestrichen wurden und bei den Personalkosten Einsparungen vorgenommen wurden. Die Erklärungen seitens RDL, dass für den Standort Hohe Möhr sehr wohl ein Programm produziert werde, ignoriert die LfK konsequent und behauptet das Gegenteil. JedeR kann sich aber selber anhören, dass RDL Gruppen aus dem Sendebereich Lörrach mit in das Programm einbezieht, Berichte über diesen Bereich sendet und auch diesbezügliche Veranstaltungshinweise bringt. Und dies seit Mai 2007 auch aus dem Studio Lörrach. Gegen das Programm von RDL, in dem auch die Beiträge für Lörrach und Umgebung gesendet werden, eröffnete die LfK im März 2007 ein Aufsichtsverfahren wegen Jugendgefährdung. Nachdem RDL zu den Vorwürfen Stellung genommen hatte, wurde das Verfahren ohne nähere Begründung im Mai eingestellt. Ein Projektantrag von RDL, um weitere gesellschaftliche Kräfte in das Programm mit einzubeziehen, wurde von der Landesanstalt abgelehnt. Die Landesanstalt verweigerte weiterhin die Förderung für Hohe Möhr, weil für sie ein Programm für den Bereich Schopfheim, Landkreis Lörrach und Basel nur eines ist, wenn die Sender Freiburg und Hohe Möhr nicht gleichzeitig dasselbe Programm senden. Diese geforderte Auseinanderschaltung machte RDL aber nicht, was allerdings den Aufwand für die Berichterstattung für den Bereich Lörrach nicht verringert. Unverständlicherweise hat sich das Verwaltungsgericht der Argumentation der LfK angeschlossen und Radio Dreyeckland sitzt jetzt auf diesen Kosten. Hinzu kommt, dass die LfK im April 2007 rückwirkend die Bezuschussung der Leitungskosten Freiburg zum Sender Hohen Mohr gestrichen hat. Durch diese unverständliche Förderpraxis der Landesanstalt für Kommunikation steht Radio Dreyeckland kurz vor der Zahlungsunfähigkeit und die LfK fordert auch noch Gelder zurück. Radio Dreyeckland braucht daher dringend finanzielle Unterstützung! Die Landesmedienanstalt hat inzwischen beschlossen, dass RDL ab Januar nicht mehr in Lörrach und Umgebung zu empfangen ist. Mehr Informationen dazu: www.rdl.de (Timo Stadler, Querfunk) Seite 10 Vorwärts immer, rückwärts nimmer coloRadio droht der Verlust von Sendezeit HörerInnen von coloRadio müssen sich möglicherweise bald umstellen. Dem Dresdner Sender droht der Verlust von Sendezeit. Die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) plant sieben der bisher 49 Wochenstunden an einen anderen nichtkommerziellen Anbieter zu vergeben. Über die Hintergründe lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise steckt die Dresdner Junge Union dahinter, die coloRadio seit Jahrzehnten "freundschaftlich" begleitet und sich im Landtag gern mal über den angeblich linksradikalen Radiosender auslässt. Die SLM-Aktion ist ein glatter Vertragsbruch, gehen die 49 Stunden Sendezeit doch auf eine Vereinbarung zwischen coloRadio und seinem Mantelsender Apollo zurück, die unter tätiger Mithilfe der SLM ausgehandelt worden ist. Und das zur Befriedigung vor allem der Landesmedienanstalt. Denn so wurde ein jahrelanger Rechtsstreit beendet, der coloRadio Sendezeit auf der Frequenz eines wesentlich profitablerem Kommerzsender beschert hatte, was die SLM gar nicht lustig fand. An all das will sich die Behörde jetzt nicht mehr erinnern und spricht offiziell von einer Sendezeitangleichung aller sächsischen Freien Radios. Was nicht stimmt, denn lediglich Radio T in Chemnitz funkt derzeit 42 Stunden, Radio Blau in Leipzig 49 Stunden, ähnlich wie coloRadio, das dafür aber eine extrem schwache Frequenzleistung in Kauf nimmt. Doch besser als nichts. Die 13 Jahre zuvor sendete colo-Radio lediglich vier Stunden am Donnerstag. Für das einstündige Sendefenster wird das Radioprogramm Neon des SAEK favorisiert, der sächsischen Variante des Offenen Kanals. Womit sich die SLM selber beschenken würde, weil Neon als Ausbildungskanal von der SLM finanziert wird. Weniger gut gelitten hingegen ist die Initiative Second-Attempt, ein Zusammenschluss mehrerer Kulturinitiativen, die ein anspruchsvolles, emanzipatorisches Radioprogramm veranstalten wollen und damit wohl der SLMGeschäftsleitung missfallen. So sehr, dass deren Geschäftsführung tatsächlich versucht hat, die Bewerbung einem Teil des Medienrates zu verschweigen. Die Desinformationskampagne der SLM geht so weit, dem unliebsamen Bewerber schriftlich mitzuteilen, die Entscheidung zugunsten des SAEK sei bereits so gut wie gefallen: Was falsch ist. Ein entsprechender Beschluss des Medienrates steht nämlich noch aus. Was eine Stunde Sendezeit weniger ausmacht, zeigt sich in Chemnitz. Hier sendet neben Apollo und Radio T auch das Studentenradio UNiCC. Dort üben studentische Hobbyjournalisten täglich eine Stunde lang für die angestrebte Medienkarriere.Im Gegensatz zu Dresden wurde in Chemnitz jedoch dieses Frequenzsplitting von Anfang an so ausgeschrieben und nicht 49 Stunden komplett (zunächst ohne Lizenz) vergeben, wie es jetzt in Dresden der Fall war. In Leipzig gibt es keinen dritten Anbieter, weil das Uni-Radio "Mephisto" sich bisher erfolgreich dagegen geweigert hat, ihre reichweitenstarke Frequenz zu verlassen. Die Aktivitäten der SLM in Dresden sind also ganz klar ein Versuch coloRadio Sendezeit abzuknöpfen. Widerstand tut deshalb Not. Sollte die Landesmedienanstalt bei ihrer Haltung bleiben, wird bei coloRadio bereits darüber nachgedacht den Beschluss juristisch anzufechten. Außerdem sei die Lizenzausschreibung so verfasst, dass sich coloRadio seinen künftigen Partner selbst aussuchen könne, ohne Einfluss durch die SLM. Das Ganze schlägt mittlerweile deshalb auch politisch hohe Wellen. So haben Linkspartei und Grüne im Landtag kleine Anfragen gestellt. Auch die Sozialdemokraten wollen bei der SLM intervenieren und notfalls ebenfalls im Landtag nachfragen. Und die die sitzen immerhin in der Regierung. Die Hoffnung stirbt also zuletzt. Weitere Infos im coloRadio-Büro unter 0351/3179225 (Martin Busche, coloRadio) Seite 11 Der Radioschein zwischen Kritik und strategischer Einbindung Anfang diesen Jahres startete bei Radio Darmstadt die halbjährige Seminarreihe "der Radioschein" - in Kooperation mit dem Bildungszentrum BürgerMedien (BZBM). Der Radioschein ist als radiojournalistische Basis-Ausbildung für Laien angelegt und beinhaltet eine umfassende Einführung in die journalistischen und gestalterischen Aspekte, die zum Hörfunk gehören. Entwickelt wurde dieses Konzept vom BZBM, einem Verein in Trägerschaft u. a. verschiedener Landesmedienanstalten, mit der Aufgabe, Aus- und Weiterbildung in und mit Offenen Kanälen und Nicht-Kommerziellen Lokalradios zu vernetzen und weiterzuentwickeln. Das Bildungszentrum hat für die Durchführung des Radioscheins in Hessen zweckgebundene Mittel zur Verfügung gestellt, die nicht für andere Seminare hätten genutzt werden können und zusätzlich zum normalen Etat bereitgestellt wurden. Im Rahmen der Seminare bei Radio Darmstadt (RadaR) ging es auch darum zu schauen, inwiefern das Konzept für freie bzw. nicht-kommerzielle Lokalradios - für die es auch entwickelt wurde - geeignet ist. Dabei ist das Konzept des "Radioscheins" durchaus umstritten. Denn der "Radioschein" ist eine Seminarreihe, die aus mehreren 2-tägigen Bausteinen besteht, an denen die Radiointeressierten über ein halbes Jahr hinweg verbindlich teilnehmen sollen. Viele (knappe) Mittel werden also recht großzügig für die Ausbildung von einigen wenigen TeilnehmerInnen bereitgestellt und festgelegt, während das Geld für die breite Ausund Fortbildung der RadiomacherInnen in Freien Radios und NKLs immer knapper wird. Eine umfassende Einführung in alle Aspekte des Radiomachens halten wir generell für sinnvoll und es hat natürlich Vorteile mit einem festen Kreis von TeilnehmerInnen zusammenzuarbeiten. Doch diese strikte Eingrenzung auf einen festen Kreis sehen wir kritisch. Vielmehr sollten die einzelnen Workshops für alle offen sein - was beim "Radioschein" in Darmstadt - in Absprache mit dem BZBM - dann auch der Fall war. Zum einen, weil so ein breiterer Kreis von Radiomachenden teilnehmen kann, zum anderen weil sich viele RadiomacherInnen gerade aus NKLs ungern auf die Teilnahme an einer Seminarreihe über ein halbes Jahr hinweg festlegen. Außerdem haben viele schon an anderen Kursen teilgenommen und halten es nicht für sinnvoll einen Baustein zum gleichen Thema zu belegen. In Darmstadt blieb es so auch bei dem sehr kleinen Kreis von acht regelmäßigen TeilnehmerInnen, vier weitere besuchten nur einen Baustein - beides lag aber sicherlich auch an den derzeitigen senderinternen Auseinandersetzungen. Doch diese Öffnung für weitere Interessierte sollte unbedingt beibehalten werden. Im Konzept des Radioscheins nicht vorgesehen ist die Einführung in die Studiotechnik. Das ist unserer Meinung nach aber unabdingbar. Zwar ist die Studiotechnik bei vielen Radios Bestandteil der Einstiegsseminare. Doch der Radioschein richtet sich auch an Interessierte ohne Vorkenntnisse, weshalb je nach Kenntnisstand dafür Zeit eingeplant werden sollte. Schließlich ist die unzureichende Beherrschung der Sendetechnik eine häufige Quelle für Pannen und das Misslingen einer noch so schön konzipierten Sendung. Der Hintergrund der TeilnehmerInnen war sehr unterschiedlich, sowohl altersmäßig, was sehr positiv aufgenommen wurde, als auch von der Ausrichtung her: entweder auf Medienpädagogik oder aufs konkrete Radiomachen vor Ort, bei RadaR. Auch die Vorkenntnisse waren sehr verschieden, weshalb es nicht immer einfach war, die unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen. Seite 12 Einbindung des Radioscheins in Strategien fürs NKL Sinnvoll wäre es für die Radios, wenn sie den Radioschein strategisch einsetzen würden: Etwa für die Heranziehung von kompetenten TrainerInnen - wobei der alleinige Kursbesuch dazu nicht ausreichen würde; oder für den Aufbau eines fitten Redaktionsteams, was für ein regelmäßiges Infomagazin oder ähnliches, was gerade im Argen liegt, sorgen könnte. Oder es sollte eine Anbindung an eine bestehende Redaktion geben. Bei RadaR gab es dabei leider zwei Probleme: Zum einen wurde senderintern nicht ausreichend kommuniziert, dass die Seminare des Radioscheins auch für das Punktesystem zählen, das bei RadaR zur Aus- und Weiterbildung der RadiomacherInnen gilt. Und Streitigkeiten, die den Radiobetrieb derzeit heftig erschweren, ließen eine strategische Nutzung nicht zu. Dennoch, es wurden Radiobeiträge erstellt, die bei RadaR gesendet wurden, und die TeilnehmerInnen haben sicher Anregungen und Kenntnisse erworben, die sie in ihre jeweilige Redaktion tragen und mit denen sie hoffentlich auch Andere für´s Radiomachen begeistern. Falls jemand den Radioschein veranstaltet, können wir empfehlen daran teilzunehmen, und für die Radios wäre die Öffnung und eine strategische Einbindung sicherlich sinnvoll. Ihn aber als verbindliches Papier fürs Radiomachen einzuführen halten wir wegen der Wahrung der kreativen Vielfalt und des hohen Ressourcenaufwands nicht für sinnvoll. Heike Demmel (Radio Z, Referentin) und Niko Martin (RaDar; Referent) Seite 13 Inter.Media Follow up Interkulturelles Radio in der Schweiz Der Verein klipp&klang Radiokurse in Zürich organisiert die gesamte Ausbildung für die schweizerischen Gemeinschaftsradios. Seit etwa fünf Jahren lanciert klipp&klang auch eigene sog. Integrationsprojekte. Von 2004 bis 2006 war klipp&klang einer von acht Partnern im EU-Projekt Inter.Media, dass vom Bildungszentrum Bürgermedien in Ludwigshafen koordiniert wurde. Inter.Media beschäftigte sich mit den verschiedenen Ebenen interkultureller Zusammenarbeit in Community Radios und ähnlich organisierten Betrieben. Im Herbst 2006 erschien als Ergebnis des Projektes das Handbuch "Intercultural Learning for Noncommercial Media in Europe", als gedruckte Version auf Englisch und Deutsch, in elektronischer Form zusätzlich auf Türkisch und Ungarisch. Zwar fehlt bis heute die CD-Rom mit zusätzlichem Material, dennoch lässt sich mit dem Handbuch einiges anfangen. Es ist unterteilt in die drei großen Kapitel (Module): I) Modelle interkultureller Organisations- und Kommunikationsformen in Bürgermedien II) Mehrsprachiges und interkulturelles Radio III) Journalismus gegen Rassismus / Internationale Vernetzung und Nutzung des Internets Jedes Modul beinhaltet eine inhaltliche Einführung und einen dreitägigen Modellworkshop zum Thema, ausgearbeitet mit detailliertem Workshopprogramm, Handouts usw. Das Inter.Media-Handbuch ist für eine intensive Benutzung und praktische Erprobung durch KursleiterInnen und andere Interessierte konzipiert worden. Leider gibt es bislang kein europäisches Folgeprojekt, in dem die Tauglichkeit des Materials überprüft bzw. mehr Menschen für die Umsetzung geschult werden könnten. Immerhin hat klipp&klang beschlossen, mit dem Inter.Media-Material im hiesigen Rahmen zu arbeiten und die Ergebnisse in der Schweiz zu verbreiten. Unter den schweizerischen Gemeinschaftsradios gibt es zur Zeit vier bis fünf Sender, die konkret an interkultureller Arbeit interessiert sind. Bei klipp&klang wurde eine Projektstelle eingerichtet, die theoretisch alle die folgenden Aufgaben erledigen soll: 1. Inter.Media-Kurse in den interessierten Radios durchführen: Zur Zeit sind die Radios vor allem am Thema Mehrsprachige Sendungsgestaltung interessiert. Kurse mit diesem Thema gab es in diesem Jahr einmal in Zürich, einmal in Bern und zweimal in Basel. Dabei erwies sich die Inter.Media-Vorlage durchaus als tauglich, wenn auch nicht jedes Mal in gleichem Masse. Eine Erweiterung der Methodik für verschiedene Kurssituationen wäre wünschenswert. Bei Radio LoRa in Zürich fanden dieses Jahr vier verschiedene Inter.Media-Workshops statt, mit Inhalten aus allen drei Modulen. Zusätzlich zu den Kursen bietet klipp&klang den Radios Beratung zur interkulturellen Organisation und Kommunikation an. 2. weitere KursleiterInnen für interkulturelle Workshops ausbilden: Im Moment gibt es in der Schweiz drei Personen, die Erfahrung mit Kursen zum Thema Mehrsprachige Sendungsgestaltung haben. Die anderen Inter.Media-Module können von niemandem hier wirklich kompetent angeleitet werden. Für die Grundausbildung einer größeren Gruppe von KursleiterInnen für interkulturelle Workshops möchten wir ein einwöchiges Train the trainers-Seminar durchführen, am liebsten im Tagungshaus Salecina im Oberengadin. Das scheitert aber, wie einiges andere, vorerst noch am Geld. Im Moment können wir nur durch Kursleitung im Tandem neue Leute an die interkulturellen Workshops heranführen. 3. Interkulturelles Lernen in die allgemeinen klipp&klang-Kurse einführen: Noch in diesem Jahr soll es eine eintägige Weiterbildung für alle interessierten KursleiterInnen von klipp&klang geben. Dabei geht es darum, Ergebnisse und Anregungen aus dem Inter.Media-Projekt in alle Ausbildungskurse aufzunehmen. In der Schweiz ist z.B. die Unterrichtssprache ein wichtiges interkulturelles Thema: Am liebsten spricht hier jedermann und jedefrau in jeder Lebenslage Dialekt. Menschen, die nicht in der Schweiz aufgewachsen sind, werden da ganz schnell abgehängt. 4. Ein "Lehrmittel" zum Thema Mehrsprachige Sendungsgestaltung ausarbeiten: klipp&klang gibt zur Seite 14 Ergänzung der Kurse Broschüren (sog. Lehrmittel) heraus, in denen journalistische Themen speziell für die SendungsmacherInnen in den Gemeinschaftsradios aufbereitet dargestellt werden. Nun ist ein solches Lehrmittel zum Thema Mehrsprachige Sendungsgestaltung in Planung. Schöne Projekte, die aber zum Teil noch weit von der Umsetzung entfernt sind. Zur Zeit bearbeitet eine Person mit einem sehr kleinen Pensum (ca. 4 bis 6 Stunden pro Woche) das ganze Gebiet. Die Finanzierung der Arbeit gestaltet sich schwieriger als erwartet, denn die sog. Integrationsgelder in der Schweiz sind nicht mehr so leicht zugänglich wie vor Blochers Zeiten. Bei allen Massnahmen im Bereich Interkulturelles Radio beziehen wir Fachpersonen aus der deutschen und österreichischen freien Radioszene mit ein, die zum Teil auch am Inter.Media-Projekt mitgearbeitet haben. Wir möchten die methodische und inhaltliche Debatte zum Thema gerne in einem grösseren Zusammenhang weiterführen. Zu diesem Zweck wird sich klipp&klang auch an der Vorbereitung des Interkulturellen Radiofestivals bei Radio LoRa im Sommer 2008 beteiligen. (siehe nächste Seite) Kontakt klipp&klang Radiokurse: Adriane Borger, ab@klippklang.ch, www.klippklang.ch EU-Projekt: www.intermedia-online.org Zum 25jährigen Geburtstag von Radio LoRa 2008 Interkulturelles, experimentelles Radiofestival und Elektromagnetischer Sommer Radio LoRa wird 25. Seit 25 Jahren gibt es auf unserer Frequenz im Kanton Zürich Dinge zu hören, die den Radio-Mainstream brechen und unterwandern. Das tägliche Programm wird heute von etwa 300 Freiwilligen gemacht. Sie senden in 20 Sprachen senden und decken ein breites Spektrum von Themen aus Politik, Musik, Kultur ab. Daneben veranstalten wir spezielle Programmprojekte, in den letzten Jahren vor allem zu den Themenkreisen Interkulturalität und Radiokunst. Im Jahr 2003 haben wir das erste mehrsprachige Hörfestival der Freien Radios im deutschsprachigen Raum veranstaltet. Die Themen mehrsprachige Sendungsgestaltung und interkulturelle (Programm-)Zusammenarbeit begleiten das LoRa seither und wurden mit verschiedenen Sonderprogrammen und Workshops im Radio verankert. Neben unseren interkulturellen Projekten führen wir seit mehreren Jahren Audiokunstprojekte durch. 2005 veranstalteten wir zum ersten Mal den "Elektromagnetischen Sommer", der seither jeweils den größten Teil unserer vierwöchigen Sommerpause einnimmt. Im Jahr 2006 stand der Elektromagneti-sche Sommer unter dem Thema Mehrsprachigkeit, das in experimenteller Form in verschiedenen Projekten umgesetzt wurde. Im LoRa-Jubiläumsjahr 2008 möchten wir die beiden thematischen Stränge zusammenbringen. Zum gemeinsamen Thema "Verständigung" wollen wir zu Beginn der LoRa-Sommerpause Mitte Juli meh-rere Veranstaltungen organisieren, zu denen wir freie RadiomacherInnen aus den Nachbarländern, insbesondere aus Deutschland und Österreich einladen. Thematisch sollen diese Veranstaltungen die Ergebnisse des EUProjektes "Inter.Media" aufgreifen und weiterentwikkeln, an dem unser Partner klipp&klang Radiokurse beteiligt war. Dabei geht es neben der mehrsprachigen Sendungsgestaltung auch um die interkulturelle Organisation unserer Radio-Betriebe und um Formen interredaktioneller Zusammenarbeit. Das Programm im Einzelnen soll mit Partnern aus anderen Freien Seite 15 Radios gemeinsam entwickelt werden. Wir möchten das Radiofestival gemeinsam mit klipp&klang Radiokurse, der UNIKOM (Union nicht kommerzorientierter Radios der Schweiz), dem Bundesverband freier Radios in Deutschland BFR und dem Verband freier Radios in Österreich VFRÖ veranstalten. Dem Thema "Verständigung" wollen wir uns auf ganz unterschiedliche Art und Weise nähern. In Workshops, Sendungen, Diskussionen, evtl. Konzerten o.ä. soll das Thema von verschiedenen Seiten und mit verschiedenen Methoden beleuchtet werden. Das Ziel ist, die interkulturelle Welt der Freien Radios darzustellen, erlebbar zu machen und an bestimmten Fragen weiterzudiskutieren. Das eigentliche Festival könnte am Freitag, 11. Juli 2008 beginnen und sich über einige Tage erstrecken etwa bis zum 16. oder 17. Juli. Die LoRa-Sommerpause beginnt voraussichtlich am 14. Juli und dauert bis zum 10. August. Parallel zu den Radiofestival-Veranstaltungen startet unser Audiokunst-event "Der Elektromagnetische Sommer" am 14. Juli. Auch er hat die interkulturelle Verständigung zum Thema. Wir möchten verschiedene Audiokünstler und -künstlerinnen einladen, den Elektro-magnetischen Sommer zu gestalten. Dabei sollte in den ersten Tagen Platz sein für Beiträge und Sendungen, die im Rahmen des Festivals entstehen. Insgesamt wird aber der elektromagnetische Sommer eine eigene Veranstaltung sein, die zeitlich über das Festival hinausreicht und etwa bis zum 6. August dauert. Mit dieser ersten Skizze werden alle Interessierten eingeladen, sich an der Planung und Ausgestaltung des Radiofestivals und des Elektromagnetischen Sommers zu beteiligen. Kontakt: spezialprogramm[ät]lora.ch (Adriane Borger, Radio LoRa, Zürich) Seite 15 Meldungen RDL braucht 25.000 Euro Wie in dieser Ausgabe des BFR-Rundbrief ein paar Seiten zuvor ausführlicher nachzulesen war, steckt das älteste Freie Radio in einer tiefen finanziellen Krise. Der Hintergrund: Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat in einem sechsmonatigen "Eil-"verfahren die Verweigerung der Gebührenmittel durch die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) gebilligt. Die Mittel hatte Radio Dreyeckland (RDL) noch 2006 für sein im Juni gestartetes, lokal und regional ausgerichtetes Morgenradio erhalten. Auflage war eine regelmäßige Berichterstattung aus der Region Schopfheim/Lörrach, sowie die Eröffnung eines eigenen Studios dort. Aber schon 2006 war die Auszahlung der Mittel verschleppt und der Betrieb daher erheblich erschwert worden. Während des Verfahrens hat RDL das Morgenradio weiter betrieben, auch um den Anspruch auf die Fördermittel nicht zu verlieren. Es wurde aus der Region berichtet und schließlich im Mai 2007 das Studio eingerichtet. Mit der Entscheidung zugunsten der LfK, ist RDL nun dringend auf Hilfe angewiesen! 500 Spenden a 50 Euro bis Ende 2007 sind nötig! Inzwischen wurden schon etwa ein Fünftel der Summe eingesammelt. Mehr Informationen auf: www.rdl.de Konferenz: Partizipative Medien, Web 2.0 und Politische Beteiligung In Salzburg findet vom 15. bis 17. November 2007 die Medienkonferenz CilvilMedia statt. Es geht dort um den Zusammenhang zwischen Medien und Demokratie, medialer und politischer Beteiligung und bezieht dabei auch die Möglichkeiten des Internet (Stichwort: Web 2.0) ein. Gleichzeitig trifft sich das Community Media Forum Europe (CMFE). Mittlerweile gibt es über 60 gemeldete TeilnehmerInnen aus 10 Ländern und mehr als 20 Beitragsvorschläge. Die Angemeldeten kommen aus den verschiedensten Bereichen: Universitäten, BloggerInnenszene, Politische Bildung, Freie Radios, öffentlich-rechtliche Medien, Jugendarbeit und dergleichen mehr - dementsprechend vielfältig sind auch die Zugänge und Sichtweisen zum Thema. Weitere Anmeldungen sind möglich. Alle Interessierten sind aufgerufen, bereits im Vorfeld Seite 16 der Veranstaltung durch Themenvorschläge aktiv das Tagungsprogramm zu gestalten. Mehr Informationen auf www.civilmedia.eu EU-Studie über Community Medien erschienen Lange hat es gedauert. Nun gibt es die erste Dokumentation auf europäischer Ebene, die ausführlich den Ist-Zustand und die Leistungen der europäischen Community Medien (CM) thematisiert. Entstanden ist sie im Auftrag des Kulturausschuss des EU-Parlaments und wurde vom Community Media Forum Europe (CMFE) vorangetrieben. Obwohl die Studie in den Länderreports nicht allzu sehr in die Tiefe geht und einige Formulierungen der ersten Fassung jetzt vorsichtiger formuliert wurden, ist sie eine sehr hilfreiche Argumentationshilfe für alle Community Medien und Referenz für die nationalen und regionalen Debatten. Interessant - vor allem im Kontext des geplanten Bundesverbands BVBAM (siehe Seite 6) - ist auch die Definition von CM, welche die Studie zu Grunde legt: "?media that are non profit and owned by or accountable to the community that they seek to serve. CM are open to participation in programme making and management by members of the community." Damit gehören sog. Lernradios oder von Landesmedienanstalten betriebene Offene Kanäle nicht zu den Community Medien. Download der Studie unter: www.cmfe.eu Stellenausschreibung für Stuttgart Das Freie Radio für Stuttgart besetzt zum 1. Januar 2008 eine Stelle mit den Arbeitsschwerpunkten: Kommunikation, Aus- und Fortbildung und Betreuung offener Sendeplätze. Gesucht wird ein(e) MitarbeiterIn mit Freude am Arbeiten im selbstverwalteten Projekt, Spaß am Umgang mit den verschiedensten Menschen, Interesse am Medium ,Radio', der Fähigkeit zur Eigenverantwortlichkeit, der Bereitschaft Termine auch am Wochenende und am Abend wahr zu nehmen, keiner Scheu vor Technik, Win/Office-Kenntnissen, Kreativität, Flexibilität und Belastbarkeit. Neben den vorgesehenen Tätigkeiten gehören auch die Präsenz und Erledigung der klassischen Bürotätigkeiten dazu. Ein lebendiger Arbeitsplatz ist garantiert. Die Arbeitszeit beträgt 13 Std./Woche, die Bezahlung erfolgt nach TPR. Gesucht werden Menschen mit Erfahrungen im Ehrenamt. Bewerbung mit den üblichen Bewerbungsunterlagen (tabellarischer Lebenslauf, Zeugnisse, Tätigkeitsnachweise) gehen bis zum 30.11.2007 an: Freies Radio für Stuttgart, Rieckestr. 24, 70190 Stuttgart. Weitere Informationen unter Tel. 0711/6400442. Website: www.freies-radio.de Stellenausschreibung für Dresden Die Radioinitiative Dresden schreibt ab dem 1. Januar 2008 eine Stelle als MedienpädagogIn aus. Die Qualifikationsanforderungen sind ein abgeschlossenes Studium als Dipl. SozialpädagogIn oder MedienpädagogIn, Erfahrungen mit selbstverwalteten Projekten, Lust auf die Arbeit mit Kindern und die Anerkennung der Grundsätze der Radioinitiative Dresden e.V. Aufgabenbereiche der MedienpädagogIn sind die Planung und Durchführung der medienpädagogischen Projekte, Projektförderung sowie andere Verwaltungstätigkeiten. Die Stelle ist eine Teilzeitstelle (20h) und wird in Anlehnung an den TVöD vergütet. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 30.11.2007 und die Bewerbung ist an die Radioinitiative Dresden e.V. Jordanstrasse 5 01099 Dresden zu richten. Weitere Infos sowie Kontakt gibt es unter der Telefonnummer 0351/317 9225, unter buero [ät]coloradio.org oder www.coloradio.org Woche Freier Radios in Berlin Berliner RadioaktivistInnen strahlen vom 1. bis 8. Januar 2008 die Woche Freier Radios in den Berliner Äther. Mit zahlreichen Mikrosendern und einem Livestream wird ganz legal und ohne Lizenz in Berlin Freies Radio hörbar. Mit jedem Sendetag zieht das Programm inhaltlich immer nähere Kreise. In den ersten Tagen werden Freie Radios aus Afrika, Asien und Amerika zu hören sein, später aus Osteuropa, bis dann einen Tag lang Berliner Radioinitiativen Programm machen. Kontakt und Rückfragen dazu an info[ät]mikro.fm Seite 17 Let´s talk about science Ab Ende November erhält der BFR lehrreiches Audiomaterial aus Österreich. In Kooperation mit der Radiofabrik Salzburg werden dann jeweils 11 Jugend- und Kindersendungen zu Wissenschaftsthemen auf www.freie-radios.net erscheinen, um in hoffentlich vielen Radios ausgestrahlt zu werden. In den 20 minütigen Kindersendungen wird ein aufwendig produziertes Hörspiel Alltagsfragen thematisieren und anschließend diskutieren Kinder darüber. Die Jugendsendungen mit 30 Minuten Länge behandeln das sichere Internet, Wissenschaft als Beruf, Gesundheitsrisiken durch Strahlen oder Natur in der Stadt. Drei der insgesamt elf Jugendsendungen werden auch auf englisch ausgestrahlt. Immer wieder stehen dabei aktuelle Forschungsprojekte im Mittelpunkt. Das Projekt wird auch am 1. Dezember 2007 auf dem BFR-Kongress in Chemnitz vorgestellt. Mehr Informationen zum Projekt unter: www.talk-science.eu Kontakt beim BFR dazu über Stefan Tenner (oeffentlichkeit[ät]freieradios.de) Freie Radiosoftware Eine gut gepflegte und aktuelle Webseite wird auch für die Freien Radios immer wichtiger. Bei Radio Z in Nürnberg ist jetzt eine Eigenentwicklung online gegangen, die es ermöglicht Playlisten zu veröffentlichen, Radiobeiträge bequem und ohne großen Zeitaufwand online zu stellen, das Programm übersichtlich zu präsentieren und mitzuteilen, wer da gerade Sendung macht. Zu verdanken ist das dem Content Management System Joomla!, dass bereits bei vielen Webseiten Freie Radios Anwendung findet (Radio Z, Radio Corax, Radio T, Radio Dreyeckland, FSK, Radio Unerhört). Die Erweiterung hat den Namen Jimtawl und kann kostenlos auf www.radio-z.net heruntergeladen werden. Entwickler Michael Liebler freut sich auf Rückmeldungen aus dem Praxiseinsatz und plant mit Jimtawl künftig noch weitere Features: Podcasting, Verknüpfung von Blogs einzelner Redaktionen mit der Jimtawl-Navigation, Konkrete Programmankündigungen in Kalenderansicht und eine Anbindung an die Sendeautomationssoftware Jukebox Lokale Gegenöffentlichkeit Gegenöffentlichkeit - Was´n das? Radio Unerhört Marburg will ein Forum für Gegenöffentlichkeit sein. Gegen Öffentlichkeit? Gegenöffentlichkeit? Was soll das denn sein? Entstanden ist dieser Begriff in den 70er Jahren im Umfeld der Neuen Sozialen Bewegungen als die Auseinandersetzungen mit Atomkraft, HausbesetzerInnen und Friedensbewegte nach Publizität verlangten und ihre Ideen und Aktionen in den Mainstreammedien nur unzureichend oder verfälscht wiederfanden und sich deshalb ihre eigenen Medien schufen. Im Ergebnis entstanden die 'Taz' und zahlreiche Stadtzeitungen (jaja, auch der 'Express' hat mal so angefangen) und eben auch Freie Radios. In jenen bewegten Jahren, in der bleiernen Atmosphäre des Deutschen Herbstes entstand auch im benachbarten Gießen eine solche Stadtzeitung: Das 'Elefantenklo'. Das 'E-Klo' widmete sich immerhin 10 Jahre lang regelmäßig den kleineren und größeren Skandalen der Gießener Kommunalpolitik und war wichtiges Sprachrohr engagierter Bürgerinnen und Bürger. 1987 stellte es sein Erscheinen ein. Nun wollen einige der damaligen RedakteurInnen an das 30jährige Jubiläum des E-Klos erinnern: mit einer einmaligen Revival-Ausgabe, einer großen Party und einer Diskussionsrunde zum Thema 'Gegenöffentlicheit'. Dort wird auch Radio Unerhört mitdiskutieren über die Aktualität dieses Begriffs. Ihr könnt das auch gerne verfolgen: Am Samstag, den 3.11., im 'Jokus' in Gießen, auf 90,1 MHz in Marburg oder per Livestream auf: www.radio-rum.de (Aus dem aktuellen RUM-Programmflyer) Letzte Seite: Termine 15. - 17. November CivilMedia 2007 - UnConference: Participation 2.0 und Mitgliederversammlung Community Media Forum Europe in Salzburg 30.11. - 2. Dezember BFR-Kongress bei Radio T in Chemnitz 01. - 08. Januar Woche Freier Radios in Berlin Bundesverband Impressum: Herausgegeben vom: Bundesverband Freier Radios c/o Radio Unerhört Marburg Rudolf-Bultmann-Str. 2b, 35039 Marburg Tel: 06421 / 68 32 65, Fax: 06421 / 96 19 95 bfr(at)freie-radios.de [bfr-rundbrief] - Redaktion: Stefan Tenner c/o Radio Corax Unterberg 11 06108 Halle Tel: 0345 / 47 00 74 5 oeffentlichkeit(at)freie-radios.de www.freie-radios.de/rundbrief Layout: P[r]UNK Kai Noah Schirmer Kai.Noah.Schirmer(at)web.de Titelbild: Karl Marx & Skater von Radio T, Chemnitz Nächster Redaktionsschluss: 15. Januar 2008