(Rio de Janeiro, 14. März 2008, púlsar).- Nach jahrelangem Kampf ist es der Bevölkerung des Armenviertels Heliópolis in São Paulo gelungen, eine
Sendelizenz für ihr freies Radio (Rádio Comunitária) durchzusetzen. Sie
gilt für zehn Jahre und lässt sich nach Ablauf verlängern. Die
Genehmigung seitens der Regierung und des Kommunikationsministeriums
muss zwar noch vom Kongress ratifiziert werden, gilt jedoch als sicher.
Damit wird Radio Heliópolis der erste legalisierte Gemeindesender in der
Metropole São Paulo, der größten Stadt Brasiliens, sein.
„Es ist uns gelungen nachzuweisen, dass wir wirklich ein Gemeinderadio
betreiben, das im Dienst der Bewohner hier steht,“ erklärte der
Radiomacher Geronino Barbosa. „Unsere Themen betreffen den Alltag und
sind politisch, unter anderem geht es um Aids, Sexualität,
Schwangerschaft in der Jugend und Abtreibung.“
Im Juli 2006 wurde das Radio, das seit Jahren ein fester Bestandteil des
Lebens in einer der größten Favelas Brasiliens war, von der
Bundespolizei in Zusammenarbeit mit der Telekommunikationsbehörde Anatel
geschlossen. Nach intensiven Protesten und einer stadtweiten
Organisierung im Kampf um demokratische Kommunikationsmittel, konnte
Radio Heliópolis unter der Schirmherrschaft einer Universität vor
einigen Monaten wieder auf Sendung gehen. Jetzt erlangt der Sendern
einen unabhängigen Status und kann entsprechend dem Gesetz seinen
Betrieb aufnehmen.
Dieses Gesetz zur Regelung der Gemeinderadios ermöglicht zwar die
Legalisierung, wird aber von der Bewegung der freien Radios heftig
kritisiert, weil es zu viele bürokratische Hürden enthalte und in der
Praxis zu einem Repressionsinstrument gegen die unabhängigen Sender
geworden ist. Das Gesetzt existiert seit genau zehn Jahren. Seitdem
werden jedes Jahr im Durchschnitt 2.000 rádios comunitárias von der
Polizei geschlossen – darunter auch viele religiöse oder kommerzielle
Sender, die sich nur den Anschein eines Gemeinderadios geben. Bislang
zeigt die Regierung von Präsident Lula da Silva keinerlei politischen
Willen, an der Verfolgung unabhängiger Medien etwas zu ändern.