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Absender: Tini Hinderer (tinihi@*e*.de) - 18.09.2009
Freies Sender Kolleg läd nach Hamburg ein!

Liebe Freie-Radio-KollegInnen,
die dritte Runde des Kollegs beginnt mit einem wahren Feuerwerk der 
akustischen Stadt-Erkundung. Selten hat sich der Besuch in Hamburg so 
angeboten, wie am letzten Oktoberwochenende 2009. Das Freie Sender 
Kolleg des FSK freut sich über eure Teilnahme!

> Die Stadt hören*
> 
> Ein Workshop-Wochenende mit sieben Expeditionen
> Von Freitag, dem 30. Oktober bis Sonntag, dem 1. November 2009 im Freien 
> Sender Kombinat, Hamburg und im öffentlichen Raum der Stadt.
> 
> *Situation*
> In wenigen Städten der BRD war die Entwicklung der Stadt so umkämpft
wie 
> in Hamburg. Hafenstraße, Rote Flora und Park Fiction erinnern daran ? 
> doch in den letzten Jahren war es verhältnismäßig ruhig geworden. Das

> Konzept der wachsenden Stadt, das der CDU-geführte Senat seit 2002 
> verfolgt, ist nicht mehr gründlich herausgefordert worden.
> Seit einiger Zeit gelangen immer mehr HamburgerInnen zur Überzeugung, 
> dass dies nicht so bleiben darf. In St. Pauli-Süd rumort es, an 
> verschiedenen Orten fordern KünstlerInnen Räume, im Schanzenviertel 
> organisiert sich ein neues Stadtteilzentrum. Zugleich scheint ein 
> spezifisches Wissen über die Stadt, um einzelne Straßenecken und deren 
> Geschichte ebenso in Vergessenheit geraten zu sein, wie auch die 
> Radikalität, mit der aufgrund der kapitalistischen Wohnsituationen die 
> Gesellschaft im Ganzen einmal kritisiert worden ist. Und die Vision 
> einer völlig anders funktionierenden Stadt ist fast gänzlich
verschütt 
> gegangen.
> 
> *Vorschlag*
> Das FSKolleg will dieses Wissen aktivieren. Am letzten Oktoberwochenende 
> sollen sieben parallele Workshops der Vergesslichkeit entgegenarbeiten 
> und eine neue Handlungsfähigkeit eröffnen. Als erster Schritt sollen
die 
> Erinnerungen hörbar gemacht werden. Dazu arbeiten alle Workshops mit 
> einem von dem Berliner Künstler Udo Noll entwickelten Werkzeug, mit dem 
> sich die Stadt akustisch kartieren lässt (http://aporee.org/maps/) ? 
> eine neue Form des Internetradios: Akustische Momente lassen sich an den 
> Orten ablegen und immer wieder anhören. Ort und Klang verbinden sich und 
> machen lokales Wissen hörbar. (Mehr zu Radio Aporee siehe unten) In der 
> Verbindung von Internet und Radio, Archiv und Echtzeit-Ausstrahlung 
> eröffnen sich Möglichkeiten, die wir ein Wochenende lang (und
darüber 
> hinaus!) ausloten wollen.
> Die sieben Workshops entwickeln verschiedene Zugänge: Sie nähern sich

> dem städtischen Raum künstlerisch, über seine postkoloniale
Geschichte, 
> stadtethnologisch, politisch, akustisch. Es geht darum, hörbar zu 
> machen, was in der Stadt nicht sichtbar ist. Wir wollen in der 
> momentanen Situation ein Werkzeug an die Hand geben, das die 
> unterschiedlichen Kämpfe um öffentlichen Raum an den verschiedenen
Ecken 
> der Stadt vervielfältigen könnte.
> 
> *Sieben Workshops /Die Stadt hören/*
> 
> *Ortsbegehung*
> Mit Jens Röhm, Audio Researcher
> Kathrin Wildner, Stadtethnologin
> 
> Die akustische sowie die ethnographische Analyse beschreiben jeweils den 
> städtischen Raum. An verschiedenen Positionen, zu
> unterschiedlichen Zeiten und aus wechselnden Erfahrungen heraus fragen 
> sie nach den Elementen eines Ortes und weitergehend nach der urbanen 
> Konstruktion überhaupt. In dieser Dichten Beschreibung werden aus der 
> Materialität der Stadt die historischen, sozialen und diskursiven 
> Dimensionen herausgelöst und akustisch wahrnehmbar.
> http://www.gflk.de/de/08assoziiertes/08.1assoziiertes/urbane_leerstellen.php
> 
> *Buchen und Birken: Über die Ökonomie des Verschwindens.*
> 
> Was ist das Geräusch des Ausbüchsens, der Ton des Abhauens? Wie
fühlt 
> sich das Davonkommen an? Und wo haut man am besten in den Sack? Kann das 
> Verschwinden eine widerständige Strategie sein? Und wie schafft man es,
> sich zu verweigern, indem man einfach dort bleibt, wo man gerade ist?
> Unsere Untersuchung befasst sich mit Orten, Geräuschen und Geschichten, 
> die sich auf der Elbinsel zwischen Harburg und Hamburg abgespielt haben. 
> Dabei geht es auch um Historie, vor allem allerdings darum, 
> oppositionelle Erfahrungen vor dem Erfrieren zu retten. Bei dieser 
> Gelegenheit wird der Marktplatz zum Ort der Zirkulation solcher 
> Erfahrungen umfunktioniert.
> 
> *My Wonderful Geo-Story *
> Untersuchung des imaginären Terrains der Neuen Mitte Altona.
> Mit Christiane Wehr und Ulf Treger
> 
> Durch die geplante Verlegung des Bahnhof Altona ensteht das bedrohliche 
> Szenario einer tiefgreifenden Umstrukturierung des Zentrums von Altona. 
> Eine futuristische Spurensuche mittels Kartographie, Landvermessung und 
> Datensammlung.
> 
> *Echos unter der Weltkuppel*
> Eine unerhörte Sounderkundung am und im Uni-Hauptgebäude
> Mit Hannimari Jokinen, bildende Künstlerin und Gordon Uhlmann, Historiker
> 
> Hamburgs Stadtraumausprägung folgte stark und lang anhaltend kolonialen 
> Impulsen mit weiter wirkenden Strukturen, Schichten, Spuren - und 
> unüberhörbaren, dennoch unerhörten und überhörten
Echos. Im urbanen Raum 
> finden sich koloniale Bedeutungssphären bis heute - amtlich verlautbart 
> - verklärt oder verdrängt, gar restituiert. Der ?vergessliche? Umgang

> mit den unerhörten Folgen kolonialen Handel(n)s für Hamburgs 
> Stadtcharakter ist Kernbestandteil von Regierungspolitik, öffentlichem 
> Selbstverständnis und Marketing des Stadtstaats, seiner tonangebenden 
> Entscheidungsträger und Institutionen. Das organisierte Vergessen ist 
> bisweilen laut bis lärmend, so zielt es darauf ab, aufbegehrendes 
> Erinnern zu übertönen und stumm zu machen.
> Wie und wo treffen wir auf jenes Rauschen des Mythos vom ?Tor zur Welt?? 
> Wer gibt den Ton an im zentralen universitären Raum, einst gegründet
als 
> Kolonialinstitut? Was vernehmen wir im Gewölbehall kolonialer 
> Mythen-Bildung? Hören wir das Gedächtnisecho jener, die kolonisiert, 
> abgewiesen, vertrieben wurden von der imperial ausgreifenden 
> Handelsstadt? Einen Widerhall der Widerständigen, Aufbegehrenden, 
> Aufständischen? Postcolonial universum rumours?
> In gemeinsamer Sounderkundung und Gebäudekartierung hören wir in
diesen 
> vielstimmigen Raum hinein. Zusammen decodieren wir seine Ecken und 
> Nischen - und versuchen, im vorgefundenen Gewölbe Unerhörtes zu
erinnern.
> www.afrika-hamburg.de <http://www.afrika-hamburg.de/>
> www.wandsbektransformance.de <http://www.wandsbektransformance.de/>
> 
> *widerständige orte verdrängte vergangenheit*
> Mit Margit Czenki und Christoph Schäfer
> 
> Nach Jahren der Ruhe, der Umstrukturierung, der Aufwertung und der 
> Verdrängung, gibt es plötzlich eine Vielzahl widerständiger Orte
in 
> Hamburg. Stellt mit uns eine Karte akustischer Zeitschichten, 
> verschwundener urbaner Erfindungen und neuer umkämpfter Räume her!
> 
> *Memory Mapping*
> Mit Annette Stahmer
> 
> Hamburg-Hauptbahnhof
> /Ich laufe die Rolltreppe herunter, mein Bruder ist dicht hinter mir, 
> ich erreiche die S-Bahn, ich springe in den Zug, die Türen schließen 
> sich, mein Bruder ist draußen geblieben, der Zug fährt an, ich bin 
> allein, ich bin verloren.
> /Erinnern wir uns, so tauchen oft einzelne kleine Szenen vor unserem 
> inneren Auge auf. Diese Art von »Urszenen« sagen nicht selten etwas über 
> ein Grundgefühl aus, das für uns in dieser Zeit und an diesem
bestimmten 
> Ort vorherrschte.
> Ich möchte in dem Workshop die Orte verschiedener Szenen aus meinem und 
> aus dem Gedächtnis meiner Mutter in Hamburg aufsuchen und dort die 
> Erinnerungen mit dem akustischen Material, das der jeweilige Ort heute 
> liefert, verbinden. Die Workshopteilnehmer sollen aufgefordert werden, 
> selbst solche Szenen zu erinnern, sie zu verorten, aufzusuchen und dort 
> Klangmaterial zu sammeln.
> 
> *Freihafen*
> Mit Gustave Inc. & Co.
> 
> Ein Knotenpunkt im Freihafen - täglich kreuzen sich hier die Wege 
> tausender Menschen und Güter. Was erzählt dieser Ort von den Menschen

> und ihren Beziehungen? Von den Bedingungen, unter denen die Güter 
> erzeugt werden? Was von den Kämpfen - und was von den Niederlagen? Eine 
> auch strategische Ortserkundung.
> 
> 
> *Bedingungen*
> Es gibt keine Voraussetzungen für die Teilnahme, außer Interesse, Zeit 
> und der FSK-Fördermitgliedschaft. Die Workshops entfalten einen Raum, in 
> den jeder und jede ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Erinnerungen 
> einbringen kann. Wir bitten nur um eine Anmeldung 
> unter kolleg@fs*-hh.org <mailto:kolleg@fs*-hh.org> oder per Post an die 
> Adresse FSK Freies Sender Kolleg, Eimsbüttler Chaussee 21, 20259 
> Hamburg, Stichwort ?Die Stadt hören?. Wer schon weiß, bei welchem der 
> sieben Workshops sie oder er teilnehmen möchte, kann das bei der 
> Anmeldung gerne angeben.
> 
> 
> *Zeit und Ort*
> Freitag, 30.10., 18 Uhr: Treffen im Freien Sender Kombinat zur 
> Einführung in die Arbeit der kommenden Tage, Verteilung in die Gruppen, 
> Diskussion der Möglichkeiten
> Samstag, 31.10., Sonntag, 1. November: Treffpunkte und Zeiten je nach 
> Vereinbarung
> Sonntag, 1. November, 15 ? 17 Uhr: Sendung der Arbeiten aus den Workshops.
> 
> Das Workshopwochenende ist Teil des Freien Sender Kollegs 
> <http://www.fsk-hh.org/kolleg>, einer Veranstaltungsreihe des FSK mit 
> Seminaren, Vorträgen und Workshops. Im November beginnt das dritte 
> Trimester des Kollegs, das vollständige Programm kommt in wenigen Tagen.
> 
> 
> *Radio Aporee*
> Das seit 2007 realisierte Klang-/Kartographie-Projekt radio aporee 
> (http://aporee.org/maps/), ist ein offenes Archiv geographisch 
> verorteter Klänge (field recordings, Sounds, Sprache), mit derzeit fast 
> 5000 internationalen Beiträgen.
> 
> Über die Aspekte eines Klangarchivs hinaus thematisiert radio aporee 
> einen erweiterten öffentlichen Raum, der durch die Überlagerung der 
> digital vermittelten Ebenen des Internet mit den realen sozialen, 
> urbanen und natürlichen Lebensräumen entsteht:
> 
> Diese hybriden Räume entwickeln und strukturieren sich durch die 
> zunehmende Verbreitung und Nutzung mobiler Geräte, insbesondere 
> Mobiltelefonen mit GPS-Funktion und schnellem Internetzugang. Mittels 
> dieser Technologien verbindet sich der momentane Aufenthaltsort im 
> konkreten Raum mit den virtuellen Räumen des Internet. Dies wird die 
> Bedeutung von Orten, Orientierung und Navigation verändern. Die mobilen 
> Geräte werden zur Erweiterung der natürlichen Funktionen des 
> menschlichen Körpers, der als Schnittstelle zwischen Medium und Ort Teil 
> eines neuen, beweglichen Netzes wird.
> 
> Zweifellos werden Märkte und Medien den mobilen Konsumenten am Ort des 
> Geschehens lokalisieren. Location based advertising gilt als Markt der 
> Zukunft, vor dem Hintergrund, dass die Nutzung des Internet bereits in 
> wenigen Jahren überwiegend mobil erfolgen wird.
> 
> Es stellt sich die Frage, wer Zugang zu diesen Räumen hat, welche 
> Handlungs- und Gestaltungsspielräume, jenseits kommerzieller Interessen 
> und Vereinnahmumgen, innerhalb dieser neuen Öffentlichkeit möglich
sind.

Viele Grüße & bis bald!
Tini
___________________________________________________
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oder mailto:bfr-postmaster@freie-ra*ios.de

 

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