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| Absender: Katharina Mann (muhme_raehle@we*.de) -
24.02.2009 |
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Unter ?baldmöglichst? verstehen wir etwas anderes! |
Unter ?baldmöglichst? verstehen wir etwas anderes! ? Offener Brief an
die Mitglieder der Versammlung der Hessischen Landesanstalt für
privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen)
Sehr geehrte Damen und Herren,
dieser Offene Brief richtet sich an die dreißig Mitglieder der
Versammlung der LPR Hessen. Außerdem geht der Brief an die Presse,
den Bundesverband Freier Radios BFR, die Landesmedienanstalten sowie
weitere Menschen, die sich für die Belange des nichtkommerziellen
lokalen Rundfunks interessieren.
Am 3. November 2008 entschied die Versammlung der LPR Hessen, den
Trägerverein des Darmstädter nichtkommerziellen Lokalradios, Radar
e.V., trotz massiver Probleme mit der Zugangsoffenheit für weitere
vier Jahre bis Ende 2012 zu lizenzieren. ? Um dem Radar e.V.
Planungssicherheit zu geben, und ? so wird der Vorsitzende der
Versammlung der LPR Hessen, Herr Winfried Engel, zitiert ? die LPR
erwarte, dass Radar und die Medienwerkstatt sich baldmöglichst einigten.
Am Mittwoch vergangener Woche, 11. Februar 2009, waren einhundert
Tage vergangen, die der Radar e.V. sich mit seiner neuen
Lizenzsituation vertraut machen konnte.
Wir greifen die einhundert-Tage-Frist auf, die üblicherweise neuen
Staatsoberhäuptern zur Einarbeitung zugestanden wird, und ziehen eine
erste Bilanz.
Was hat sich bewegt? ? Nichts. ? Unter ?baldmöglichst? verstehen wir
etwas anderes!
Nach einem ?Machtwechsel? in der Vereinsführung des Radar e.V.
bereits im Jahr 2006 ging es mit der Programmqualität des Darmstädter
Lokalradios in kürzester Zeit stark bergab. Dadurch hat das Radio
viele Hörerinnen und Hörer verloren.
Durch anhaltende Hausverbote von der Möglichkeit des Radiomachens
ferngehalten sind nicht nur drei Mitglieder der Dissent ?
Medienwerkstatt Darmstadt e.V., sondern auch zahlreiche weitere
Menschen. In dieser Situation hat die LPR Hessen im Herbst 2007 die
Lizenz des Radar e.V. vorläufig nur für ein Jahr verlängert, um zu
beobachten, wie die Hausverbote sich auf die Zugangsoffenheit beim
Darmstädter Lokalradio auswirken.
Wir von der Dissent ? Medienwerkstatt Darmstadt e.V. haben diese
?Versuchsanordnung? ernst genommen und ein Jahr lang getestet, wie
sich das Radiomachen unter den Bedingungen des nicht-gewährten
Zugangs zu den Produktionsmitteln gestaltet. Unser Fazit: Ja, wir
können Produktionen abliefern (vorausgesetzt, wir haben privat die
Möglichkeit, ein Tonstudio zu nutzen). Mit viel Glück werden unsere
Produktionen auch leidlich wiedererkennbar ausgestrahlt. Allerdings
werden die von uns in sehr guter Qualität produzierten Sendungen vom
Radar e.V., wenn überhaupt, verzerrt und mit teilweise
sinnentstellenden Auslassungen abgespielt. Unsere Hinweise auf die
mangelhafte Qualität werden ignoriert.
Mit Radiomachen hat diese Art der Produktion und Ausstrahlung von
Audio-Beiträgen unserer Ansicht und Erfahrung nach nicht mehr
besonders viel gemeinsam. Insbesondere die Unmöglichkeit des Live-
Sendens ist als auf Dauer angelegter Zustand nicht hinnehmbar.
Darüber hinaus hat die Einschränkung des Zugangs für eine Gruppe
engagierter Radiomacherinnen und Radiomacher mittelbare Auswirkungen
auf alle Menschen, die in Darmstadt ehrenamtlich Radioprogramm
gestalten wollen. Ein breites gesellschaftliches Spektrum in
Darmstadt ist dadurch völlig vom Radiomachen ausgeschlossen. So
werden seit Herbst 2006 bei Radio Darmstadt keine Praktika für
Schülerinnen und Schüler oder Studierende mehr angeboten. Die
Kinderredaktion musste ihre Arbeit einstellen, weil ihr Betreuer mit
einem Hausverbot belegt ist. Weitere Menschen und gesellschaftliche
Gruppen, die zuvor im Programm von Radio Darmstadt gut vertreten
waren, sind marginalisiert und kommen nur noch ganz sporadisch zu
Wort. Dies betrifft zum Beispiel Gruppen im Umfeld der
Gewerkschaften, die größtenteils über die mit Hausverboten belegten
Mitglieder von Dissent ins Radio gekommen sind.
Diese unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen der Hausverbote auf
die Zugangsoffenheit bei Radio Darmstadt mussten der LPR Hessen zum
Zeitpunkt der Beschlussfassung am 3. November 2008 bekannt sein, denn
die Dissent ? Medienwerkstatt Darmstadt e.V. hatte sie im Herbst 2008
in einem ausführlichen ?Sachstandsbericht zur Zugangsoffenheit bei
Radio Darmstadt? nachvollziehbar herausgearbeitet. Dieser Bericht lag
der LPR Hessen seit 13. Oktober 2008 vor.
Die LPR Hessen mag die formaljuristische Auffassung vertreten, dass
sie keinen Einfluss auf die zivilrechtlichen Fragen eines Hausverbots
hat. Für die massiven mittelbaren Auswirkungen auf medienrechtliche
Fragen sollte sich die LPR Hessen aber interessieren: Es kann wohl
kaum von ?Zugangsoffenheit? zum nichtkommerziellen Lokalradio
gesprochen werden, wenn sendewilligen Menschen zugemutet wird, sich
den Zugang vor einem Zivilgericht zu erstreiten, bevor sie
tatsächlich Sendungen im nichtkommerziellen Lokalfunk gestalten
können. Diese Situation betrifft nicht nur drei Mitglieder der
Dissent ? Medienwerkstatt Darmstadt e.V.
Seit dem 3. November 2008, also seit dem Radar e.V. die neue,
gesicherte Lizenzsituation bekannt ist, hat sich im Prinzip nichts
getan. Uns erreichte Mitte November ein Schreiben des Radar e.V. mit
der Bitte um ein ?klärendes Gespräch?. Welchen Klärungsbedarf der
Radar e.V. sieht, wurde nicht mitgeteilt, bis jetzt konnte noch nicht
einmal ein Termin gefunden werden. Dabei ist schwer auszumachen, ob
das die Taktik des Radar e.V. ist ? sie tun einen klitzekleinen
Schritt, um damit in der Öffentlichkeit gut dazustehen, danach bewegt
sich nichts mehr ? oder ob die Sache schlicht im Alltagsstress
untergegangen ist.
Für ?klärende Gespräche? war im Jahr 2008 genügend Zeit. Diese
wurde
aber nicht genutzt.
Im April hatte die LPR einen sogenannten ?Runden Tisch? anberaumt,
der aber letztlich ergebnislos blieb. Unsere konstruktiven Vorschläge
wurden vom Radar e.V. abgelehnt. Die LPR machte den Vorschlag, eine
Redaktion aus der Dissent ? Medienwerkstatt Darmstadt e.V. zu
gründen. Weitere Gespräche kamen nicht zustande, obwohl dies
ausdrücklich vereinbart wurde.
Beim Vorschlag der LPR fragen wir uns heute, ob er überhaupt ernst
gemeint war. Nach den Statuten des Radar e.V. muss eine neue
Redaktion von der Mitgliederversammlung des Vereins bestätigt werden.
Nachdem die Mitgliederversammlung des Radar e.V. Anfang Dezember 2008
eine Redaktion ?Dissent? mit fadenscheinigen Gründen abgelehnt hatte,
fragten wir am 7. Dezember 2008 bei der LPR nach, wie sich unser
Zugang zum Lokalradio nun herstellen kann. Auf dieses Schreiben haben
wir bis heute keine Antwort erhalten.
Uns drängt sich der Eindruck auf, dass die LPR Hessen nicht wirklich
das ?Interesse des nichtkommerziellen lokalen Rundfunks in Darmstadt?
im Sinn hat, wie sie das in ihrer Pressemitteilung zur
Lizenzentscheidung vom 3. November 2008 formuliert hat. Mit dieser
Entscheidung hat die Versammlung der LPR Hessen dem
nichtkommerziellen lokalen Rundfunk in Darmstadt großen Schaden
zugefügt, weil sie damit den dringend nötigen Befriedungsprozess weit
zurückgeworfen hat. Die Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht all
derjenigen, die in Darmstadt nichtkommerzielles lokales
Rundfunkprogramm hören oder gestalten wollen.
Wir fordern die LPR Hessen auf, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um
den nichtkommerziellen lokalen Rundfunk in Darmstadt zu befördern.
Dazu gehört auch, die Alternativen zum Bestehenden ernsthaft zu prüfen.
Mit freundlichen Grüßen
Katharina Mann, Vorstand Dissent ? Medienwerkstatt Darmstadt e.V.
www.dissent-medienwerkstatt.de
vorstand@dissent-medienwerk*tatt.de
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http://www.freie-radios.de/bfr/mailinglisten.htm
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