Internationales Zusammentreffen der Freien Radioszene in Halle

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Am 30.10. um 23:59 Uhr ging mit der Abschaltung der eigens für das Radio Revolten-Festival betriebenen Frequenzen (UKW 99,3 & MW 1575) das von Radio CORAX organisierte internationale Radiokunst-Festival Radio Revolten in Halle (Saale) zu Ende. Es war die erste umfassende Werkschau der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Medium Radio. An 30 Festivaltagen gab es zahlreiche Uraufführungen – angekündigte und spontane, 720 Stunden originäres Radio(kunst)programm auf einer eigenen Frequenz, eine historische und eine zeitgenössische Ausstellung, 17 Installationen sowie gut 50 Performances und Interventionen im Stadtraum. Über 70 eingeladene Radiokünstler*innen haben alternative Radiopraktiken ausprobiert und stießen dabei auf ein ungewöhnlich großes Interesse.

Während des Festivals kam die europäische Sektion des Weltverbands der Community-Radios AMARC Europe zu Ihrer Vollversammlung zusammen. Auf dieser wurden drei Aktive aus im BFR-Radios in den neuen Vorstand gewählt: Xenia Helms vom PiRadio aus Berlin vertritt das Europe Women Network, Chris Wohlwill von der Wüsten Welle aus Tübingen wurde als stellvertretender Präsident gewählt. Neuer Präsident von AMARC Europe ist Michael Nicolai von Radio CORAX.

Im Rahmen des Radio Revolten-Festivals kamen zudem ca. 120 Radioaktivist*innen zum Kongress des Bundesverbands Freier Radios nach Halle, um sich über Medienpolitik und Medienpraxis auszutauschen. Ebenso tagte das das Community Media Forum Europe, diskutierte zum Ende des Festivals eine international besetzte Konferenz unter dem Titel „Radio Space is the Place“ die politischen und poetischen Dimensionen, die Radiokunst als unabhängige Kultur zwischen den Kanälen etablieren kann.

Das Radio Revolten-Festival wurde nicht nur in Halle, sondern weltweit wahrgenommen. Viele internationale Gäste reisten u.a. aus Argentinien, Indien, Kamerun, Frankreich, Irland oder Tschechien nach Halle. Von Israel bis Neuseeland haben 35 Radiostationen Teile des Programms gesendet. Das gesamte Programm übernahm in Großbritannien der DAB-Sender Resonance EXTRA, und auf UKW waren werktags Pi-Radio in Berlin und Frrapo in Potsdam dazugeschaltet.

Gestartet wurden die Radio Revolten mit dem Slogan „FM for Culture“, einer Forderung, die auf die drohende Verwaisung der UKW-Frequenzen hinweist und auf das künstlerische Potential, das in der Nutzung von Radiofrequenzen liegt. Während des Festivals haben die eingeladenen Radiokünstler*innen begonnen, ein Radio-Manifest zu formulieren, das diesen Anspruch auf UKW erhebt. „Wir zeigen, dass Service und Unterhaltung nicht alles sind. Zusammen mit den Radiokünstler*innen des Festivals haben wir nach den verschütteten Potenzialen des Mediums, künstlerisch und gesellschaftlich emanzipatorischen Ansätzen gesucht, um Radio tatsächlich in Beschlag zu nehmen“, so Ralf Wendt, einer der Kurator*innen des Festivals.